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Der Anfang

Bei einem bekannten Wiener Meinungsforschungsinstitut lernten wir uns kennen. Es wurde gerade eine lange Umfrage von der staatlichen Telefongesellschaft durchgeführt. Dabei sollte der Geschäftsführer oder der Leiter der EDV Abteilung interviewt werden. Es war einerseits schwierig, den richtigen Ansprechpartner an das Telefon zu bekommen, andererseits war der Fragebogen ziemlich lang. Abends nach Dienstschluß gingen Marc, Christian und ich gelegentlich in ein nahe gelegenes, gerade neu eröffnetes Lokal mit japanischen und asiatischen Gerichten. Dort sprachen wir unter anderem über die geplanten im Bau befindlichen Atomwaffen des Iran. Ich meinte, daß die ganze Aufregung darüber übertrieben sei, die ja auch viele andere Länder einsatzbereite Atomwaffen hätten. Insofern mache es auch nicht mehr soviel Unterschied, ob der Iran auch noch welche hätte oder nicht. Christian war auch gerade dabei umzuziehen, er suchte sich eine möglichst günstige Mietwohnung im Westen Wiens. Diese Wohnung war ganz auf Motorsport ausgerichtet: Unten beim Eingang befand sich eine kleine Werkstatt mit seinem sich über die Jahre angesammelten Werkzeug und ein Lager für allerlei Kisten. Über ein Stiege gelangte man in den Wohnbereich und das Büro. Eine Neonröhre hinter einer Holzverkleidung sorgte für die nötige Beleuchtung, ansonsten war alles im Zeichen des Motorsports dekoriert. Die Wand war mit Postern und Fotos aus dem Motorsport voll gepflastert. Fotos der Formel 1, Formel Renault, Rallies und natürlich last but not least von Kartrennen zierten sie. Beim Eingang montierte Christian eine Tür aus Plexiglas, diese war zugleich recht fesch und praktisch. Später errichtete er noch eine kleine Öffnung in der Wand zum Kamin hin, in diese Öffnung konnte man einen Schlauch stecken, um die Abgase eines Karts mit laufendem Motor abzuleiten. So konnte man in der Werkstatt den Motor das Karts laufen lassen, die Abgase gingen zum Kamin hinaus. Auch müßte man das Kart nicht im Innenhof anstarten, wodurch die Nachbarn wegen des Lärms nicht verärgert und nicht aufgeschreckt wurden.

Neben seiner Wohnung befand sich ein Elektrogeschäft, Christian erzählte dem Inhaber dieser Firma fleißig und regelmäßig von den Aktivitäten seines Teams. Er konnte den Inhaber sogar dazu bewegen, Sponsorgelder für die Piloten des Teams zur Verfügung zu stellen. Weiters dürfe Christian auch den neu eingerichteten Konferenzraum des Unternehmens verwenden, er brauche sich nur kurz vorher anzumelden.
Als er mich in seine gerade neu bezogene Mietwohnung einlud, stellte er mir seine Homepage seines Kartrennteams vor. Sie war nicht schlecht, und enthielt viele interessante neue Nachrichten und Fotos von aktuellen Rennen. Sein Webdesigner erhielt sogar einen Preis für die Seite. Er fragte mich, ob ich die Englischübersetzung durchführen könnte, und ich stimmte zu, so übersetzte ich die neuesten Nachrichten aus dem Kartrennsport auf Englisch. Dabei hatte ich auch die Idee eine kleine, bunte Landesflagge als Thumbnail vor die jeweilige Übersetzung zu setzen, also ein Thumbnail der italienischen Flagge vor die Italienischübersetzung, ein Thumbnail von der österreichischen Fahne vor die deutsche Übersetzung und eine Alt-Englische vor den englischen Text.

Im Laufe der folgenden Monate kam ich abends häufig zu ihm, wir verstanden uns gut und unterhielten uns fast ausschließlich über den Motorsport, insbesondere Kartrennen und Formel 1. Christian ist ein großer Fan von Kimi Raikönnen. Seiner Meinung nach der beste Formel 1 Fahrer, leider hätte er viel Pech mit seinem Rennwagen. Christian analysierte auch Kimis Fahrstil mittels Videoanalyse, und hat dabei herausgefunden, daß er nicht auf der allgemein bekannten Ideallinie fährt, wie die meisten anderen Fahrer, sondern auf einer eigenen Linie, die Kimi sich ausgedacht hat. Auch sei Raikönnen einer der wenigen Fahrer, die jede Runde auf den Zentimeter genau fahren können. Michael Schuhmacher, der Kerpener sei ihm hingegen nicht so sympathisch – alles rein subjektiv.

Lonato – Ende April 2006

Mit einem gemieteten Grande Punto eines bekannten italienischen Herstellers ging es ab nach Lonato. Die Autovermietung hatte gerade eine Aktion laufen, durch die man einen Grande Punto einen Tag lang gratis testen kann. Als Gegenleistung muß man dafür nur einen Fragebogen ausfüllen. Das war wohl als Werbeaktion eines italienischen Autoherstellers gedacht, in der Hoffnung, daß sich der eine oder andere Tester dann auch gleich einen Grande Punto selber kauft.
Tatsächlich waren wir von dem Auto auf Anhieb begeistert, das Handling ist ausgezeichnet, die Verarbeitung perfekt und die Gestaltung des Innenraums kann locker mit dem wesentlich teureren Autos mithalten, alles gut durchgestylt, keine Plastikwüste im Cockpit. Auf jeden Fall hat man ein sehr gutes Preis- Leistungsverhältnis.
Hier in Lonato sah ich im Alter von 39 mein erstes Kartrennen. Vorher hatte mich sowohl Kart- als auch Motorsport nicht besonders interessiert. Ich knipste fleißig mit meinem Fotoapparat, Christian stellte die Fotos auf seine Homepage und schickte eines an die Redaktion der bekannten österreichischen Zeitschrift Rally and more, die es auch tatsächlich druckte. Christian hatte einen Deal mit dem Herausgeber der Zeitschrift. Christian schickte ihm kostenlos Berichte und Fotos aus dem Kartsport, die dann je nachdem, ob sie dem Herausgeber gefallen oder nicht und er noch genug Platz auf einer Seite übrig hat, auch gedruckt wurden. Als Gegenleistung wurde eine Werbung für das Team auch gleich mitgedruckt. Fortan waren auch immer sehr viele Fotos von mir auf der Homepage des Teams zu sehen.

Am Heimweg war auf der Südautobahn aufgrund einer Baustelle eine Umfahrung durch eine Siedlung. Wir fuhren durch eine Ortschaft durch, es folgte eine Abbiegung nach links. In der Dunkelheit der Nacht sah ich links und rechts von Straße nur mehr lauter Baumwipfel, ich dachte, die Ortschaft mit 50 km/h Tempolimit war bereits hinter uns. Das war eine Fehlannahme. Kurz darauf sah ich sich bewegende Lichter in der Dunkelheit. Eine Polizeistreife hielt mich an. Ich war zu schnell gefahren, und mußte ein Strafmandat bezahlen. Naja, es soll halt nichts schlimmeres passieren.


Während des Rennens


Die Start/Ziellinie in Lonato


Die Piloten


Graz - Ende April 2006

Wir unternahmen mit gemieteten Pkws zum Wochenende weitere Ausflüge zu Kartrennen. So fuhren wir in die Steiermark zu einer Kartrennstrecke südlich von Graz. Beim Wegfahren in Wien überlegte ich es mir noch, ob ich die Gummistiefel mitnehmen soll oder nicht. Letztlich ließ ich sie zuhause. Prompt lief ich den halben Tag mit nassen Turnschuhen auf der Rennstrecke bei Graz herum. Wir trafen dort auf Christoph, Sohn der Besitzer einer Karthalle südlich von Wien und seinen Vater. Oft sind die Kinder von Besitzern von Karthallen gute Kartfahrer, sie können monatelang kostenlos in den Hallen ihrer Eltern üben. Ich fotografierte fleißig, probierte im Regen die Nachführ- Autofokusfunktion des Fotoapparates aus, bei dem der Autofokus auf die sich bewegenden und fahrenden Karts scharf stellen soll. Letzteres funktionierte in der Praxis irgendwie nicht so recht, vielleicht waren die Karts zu schnell für den Autofokus. So stellte ich auf eine Stelle auf der Bahn scharf, und löste aus, wenn die Karts vorbeifuhren. Viele Fotos sahen aufgrund des Regens irgendwie verwaschen aus und hatten nur dumpfe Farben. Christian schickte wieder ein Foto von mir an die Redaktion der im Motorsport bekannten österreichischen Zeitschrift, die sich mit Rallies und auch mehr beschäftigt. Das Foto wurde dann auch gleich gedruckt.


Gleich geht's los


Graz - Ende Mai 2006

Kurz darauf fuhren wir wieder nach Graz. Wir trafen auf Christoph und seinen Vater und ich knipste fleißig.


Bereit zum Start


Christoph


Rechnitz - Ende Mai 2006

In Rechnitz trafen wir wieder auf Christoph aus Kottingbrunn und auf Barbara aus Ungarn. Christian packte sein komplettes Zelt in den Fiat Grande Punto, die Zeltstangen lagen quer durch das ganze Auto bis vor die Windschutzscheibe. Erstaunlich, was Christian alles in das kleine Auto einladen konnte. Christian bestand auch gleich darauf, den Autoschlüssel immer stecken zu lassen, da im Motorsport seiner Meinung nach nichts gestohlen wird. Das Zelt war ohnedies an das Auto angebunden bzw umgekehrt, so war ein davonfahren zumindestens erschwert.


Zwischendurch bot mir Christian auch gleich einen Schraubenzieher an, um damit den gerade frisch gekochten Kaffee aus dem Wasserkocher umzurühren, ich aber lehnte dankend ab, vor allem weil der Schraubenzieher etwas magnetisch war und lauter Metallspäne auf ihm hafteten. Vielleicht, wenn der Schraubenzieher sauber gewesen wäre, hätte ich damit den Kaffee umgerührt, allerdings wollte ich dann doch keine Metallspäne trinken. Hätte vermutlich auch nicht besonders gut geschmeckt.
Christoph und Barbara lieferten sich beim Fahren ein kleines Duell, Christoph war aber schneller als das Mädchen aus Ungarn. Gegen abends, tauschten die beiden ihre Karts, Christoph fuhr mit CRG und Barbara mit Christophers Kart mit der Nummer 405.
Auf der Heimfahrt erhielten wir gleich wieder ein kleines Strafmandat wegen überhöhter Geschwindigkeit. Ich war mit 92km/h unterwegs, obwohl auf der Straße nur 70 erlaubt waren. Christian versuchte noch, mit dem Polizisten über die Höhe der Strafe zu verhandeln, anscheinend bekam ich immer Strafmandate, wenn ich mit ihm fuhr.


Die neue Rennstrecke in Rechnitz


Christoph


Barbara aus Ungarn


Bruck an der Leitha - Anfang Juni 2006

auf der A1 Speedworld trafen wir auch auf Sandras Familie. Sie baten mich, von ihrer Tochter einige Fotos aufzunehmen, was ich auch tat. Weiters trafen wir auf David und Florian. Das Rennen gewann, wie von Christian vorhergesagt, Patrick Fontner. Hier in Österreich hat er keine ernsthafte Konkurrenz.



David


Sandra


Greinbach - Ende Juni 2006

Hier trafen wir wieder auf Sandra, die ich fleißig knipste und auf Christoph (nein, nicht Christoph aus Kottingbrunn, sondern ein anderer).


Sandra



Leider hatte Christians Team derzeit und damit auch für die kommende Saison 2007 zu wenige Fahrer:

Mario B., der Sieger der Klasse ICA in Spanien mußte aufgrund schlechter Schulnoten 2007 pausieren, bzw darf 2007 nur 2 – 3 Rennen fahren, bis seine Leistungen in der Schule wieder besser werden.
Michael K., hatte in Wien einen schweren Autounfall und wurde dabei an einem Auge schwer verletzt, wobei die Sehkraft stark eingeschränkt wurde. Nach Meinung der Ärzte, war eine Operation nicht sinnvoll bzw möglich, auch konnten sie keine Vorhersage treffen, ob sich Michaels Sehkraft im Laufe der Zeit wieder verbessern wird oder nicht. An das Kartfahren ist 2007 für ihn nicht zu denken. Alles in allem natürlich ein Wahnsinn für einen 18jährigen.
Dr. Norbert G., hauptberuflich Tierarzt, fährt zwar weiterhin Formula Renault und Touringcar unter dem Teamnamen, dies aber weitgehend selbstständig, ohne Christians Mitwirkung.

So beschlossen wir, wieder neue Fahrer zu suchen, um das Kartrennteam am Leben zu erhalten und sein Fortbestehen zu sichern. Weiters gründeten wir auch den Kartprofi Austria Verein, der eben, wie der Name sagt, den Kartsport fördern soll. Anfangs war beim Verein auch Oliver dabei. Kurz nach der Vereinsgründung hat er es sich dann anders überlegt. Zu den Treffen kam er nicht mehr und das Telefon hob er nicht ab, wenn wir ihn anriefen. Wir bestellten auch einen Internetanschluß im Büro das Teams.

Christian baute ein Küchenkastl, in dem gleich ein Mikrowellenherd und ein kleiner Kühlschrank eingebaut waren, sowie ein Toaster, die Kaffeemaschine und sonstiges Küchenzubehör wie Besteck, Flaschenöffner und natürlich die Nahrungsmittel selbst fanden dort Platz. Er meinte, im Motorsport müßte man es möglichst angenehm haben und auch auf nichts verzichten müssen wie im Alltag auch. Auch könne man Kartfahrer und deren Angehörige damit beeindrucken, soviel Ausrüstung mitzuhaben und vielleicht auch den einen oder anderen dazu zubringen, Mitglied im Team zu werden.

Meiner Meinung nach ist das Küchenkastl aber eher zu groß, zu schwer und es ist zuviel Aufwand es zu transportieren. Mir persönlich geht auch der Mikrowellenherd auf der Rennstrecke nicht ab, da ich auch zu Hause in Wien keinen habe. Ich denke auch nicht, daß 12 – 20 jährige Kartfahrer im Teenager - Alter besonders daran interessiert oder damit zu beeindrucken sind, ob ein Mikrowellenherd und ein Kühlschrank im Zelt im Fahrerlager steht oder nicht.


Christians Küchenkastl steht rechts, links der Kasten mit dem Werkzeug


Christian hatte auch seine ersten cholerischen Anfälle: als ich gegen 22:00 abends zu ihm ins Büro kam, um einige Sätze für seine Homepage auf Englisch zu zu übersetzten, nahm ich zwischendurch einen Löffel, um damit den Kaffee umzurühren. Dabei bekam er gleich einen kleinen cholerischen Anfall, nachdem ich beim Holen des Löffels gleich seine Privatsphäre verletzten würde.

Christian hatte auch bei einer Autovermietung einen speziellen Tarif verhandelt. So bekommt das Team den Kastenwagen für vier Tage zum Preis von drei. Immerhin etwas billiger.


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