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Lonato – Open Masters - Anfang Juni 2007

Wieder war es ein Dilemma: trotz der mittlerweile phänomenalen Kosten weitermachen, um doch noch Fahrer zu bekommen oder mit hohem Verlust aufhören.

Letztlich dachte ich mir, daß es aufgrund der bislang angehäuften Kosten auch schon egal ist. Außerdem hätte ich auch zusätzlichen Stoff für dieses Buch, an dem ich zu schreiben bereits angefangen hatte.

Also gings ab nach Lonato, zu den Open Masters.
Wir fuhren die ganze Nacht durch, und so kamen wir bereits in der Früh an. Als der Campingplatz aufsperrte, fuhren wir zu dessen Eingang. Der Parkwächter machte uns klar, daß wir gleich einen Eintritt zahlen müssen. Das überraschte uns, bei den vorhergehenden Rennen mußten wir nichts zahlen. Da ich gerade nur wenig Bargeld eingesteckt hatte, konnten wir gleich einen internationalen Bankomaten suchen. Wieder beim Eingang des Campingplatzes angekommen, erklärte uns der Parkwächter auf italienisch, daß wir pro Person und pro Tag gleich 80€ für den Campingplatz zahlen sollen und dann nochmals 80€ für den Eintritt in das Fahrerlager. Also gleich 160€ pro Person. Auch minutenlanges diskutieren mit ihm brachte nichts. So horrende Preise hatten wir bislang noch auf keiner Rennstrecke erlebt. Bevor wir soviel für den Campingplatz zahlen, suchten wir halt das nächste Hotel auf, das war dann auch nicht mehr teurer. In Desenzano mit schönem Ausblick auf den Gardasee quartierten wir uns im Hotel Marino ein. Die Luster waren in einem kitschigen Blau, die Türen vermutlich bereits Jahrzehnte alt und an den Wänden waren bereits jede Menge Sprünge im Verputz. War uns ohnehin egal, wir suchten ja nur ein möglich billiges Zimmer. Immerhin, die Cafeteria im Erdgeschoß hatte einen südländischen Flair, der Kaffee und die Croissants waren ausgezeichnet. Die Besitzer des Hotels servierten den Kaffee übrigens mit einem Smiley aus Schokoladenpulver auf dem Milchschaum. Sah recht lustig aus.

Einmal verirrten wir uns auf der Fahrt vom Hotel in Desenzano zur Rennstrecke gründlich und kurvten irgendwo zwischen Desenzano und Lonato herum. Plötzlich kam uns mitten auf der Straße ein Mann im Rollstuhl entgegen. Er hatte nur mehr ein Bein, sein Gesicht war faltig und verbittert. Man könnte meinen, er hätte es darauf abgesehen, daß ihn früher oder später ein Autofahrer erwischt.

Im Fahrerlager redete Christian viel mit Seppi aus Deutschland und seinem Vater.
Auch Antonio von R. Motorsport, den wir beim vorhergehenden Rennen in Jesolo kennengelernt hatten, trafen wir wieder. Christian verstand sich mit ihm wieder sehr gut und redete mit ihm viel. Es wurde eine Vereinbarung getroffen, nach der bei zukünftigen Rennen die Schalterfahrer von Christians Team von R. Motorsport betreut werden sollen, Christian mag die Schalterkarts mit Getriebe sowieso nicht. Dafür sollen die Fahrer der Klassen KF1, KF2 und KF3 von R. Motorsport zu seinem Team kommen. Eine Zusammenarbeit zwischen den beiden Teams würde auch gut funktionieren, da beide Material von PCR verwenden. Allerdings ist es meiner Meinung nach unklar, was in der Praxis bei dieser Vereinbarung genau herauskommt, da Christians Team im Augenblick gar keinen Schalterfahrer hat, den man an Antonios R. Motorsport Team abgeben könnte. Auch wissen wir gar nicht, wieviele Fahrer der Klassen KF1–3 bei Antonio fahren und daher zu Christians Team wechseln. Ich nahm viele Fotos von Antonio auf, dieser war von der Homepage von Christians Team begeistert und er wollte selber auf ihr erscheinen. Antonio und die Fahrer und Mitarbeiter seines Teams posierten begeistert.

Alberto hatte aus Christians Sicht ein sehr schlecht eingestelltes Chassis von Top Kart. Durch die schlechte Einstellung hatte er es beim Fahren sehr schwierig bzw er hatte sehr viel zu tun und schaffte es in den Heats nicht ins Finale. Nach Albertos Meinung war der Motor schlecht eingestellt. Auch im Hoffnungslauf erreichte er nur den 5. Platz, der für den Einzug in das Finale nicht reichte. Dieses Jahr hat er zwar noch einen gültigen Vertrag mit Topkart, mit dem er nächstes Jahr nicht mehr fahren will. Alberto, sein Vater und eine fesche Italienerin, die ins Englische übersetzte, redeten mit Christian über eine Mitgliedschaft Albertos im seinem Team nächstes Jahr. Nach einer kurzen Besprechung, forderte Albertos Vater Christian auf, ihm ein Angebot für 2008 zu machen. Hoffentlich läßt ihn Christian nicht monatelang warten.

Patrick Fontners Vater hatte bei diesem Rennen die Einstellungen des Cosmic Karts seines Sohnes perfekt hinbekommen, Patrick siegte überlegen und strahlte vom Podest. Um den Sieg zu feiern, luden uns Fontners gleich auf ein Bier ein. Patrick war auch von meinen Fotos begeistert, die ich ihm per Email schickte.

Wir trafen auch auf Gherardo. Er teilte uns mit, daß ihn seine Mutter bei einem anderen Team angemeldet hatte. Vermutlich wollte sein Vater nicht ein 2. Mal zu Christian gehen, um ihm zu sagen, daß er ihm ein Angebot machen soll, um im Anschluß daran wochenlang zu warten.


Kosten:
Kastenwagen:
Treibstoff:
Hotel Marino:
-454€
-316€
-251€

Zwischensumme:
vorherige Gesamtsumme:
neue Gesamtsumme:

-1021€
-9339€
-10360€



Im Paddock


Nochmal im Paddock


Vor dem Start



Im Vordergrund Iglesias


Alberto


Die Piloten


Patrick Fontner gewinnt das Rennen


Wien - Ende Juni 2007

Zu diesem Zeitpunkt läuft die Gerüchteküche über das Team heiß. Es kursieren Gerüchte, daß Christian verbandsintern von der OSK, der Obersten Nationalen Sportkommission geklagt wird, um ihm seine Lizenz für das Team zu entziehen. Dies vielleicht wegen der Kartprofi-Austria Seite, auf der Christian fleißig über die Kommission hergezogen ist. Auch Corinna beziehungsweise ihre Eltern wollen nicht mehr mit dem Team nach Italien fahren. Vermutlich wegen der vielen Gerüchte und Geschichten, die mittlerweile über das Team kursieren.

Auch der Sondertarif bei der Autovermietung wurde eingestellt. Der zuständige Filialleiter teilte uns mit, daß dies weder an ihm noch an uns läge, sondern an Entscheidungen innerhalb des Konzerns. Vielleicht hat die Autovermietung auch gewisse finanzielle Probleme.

Langsam aber sicher rang ich mich zu einem Ende mit Schrecken durch. Besser als ein Schrecken ohne Ende. Die angehäuften Kosten sind ohnehin bereits eine Art Wahnsinn, sie noch weiter zu erhöhen ohnehin nicht möglich.

Vor allem bei Christians kaufmännischen und wirtschaftlichen Fähigkeiten erreicht das Team vermutlich jedes Jahr ein Minus in der Höhe von geschätzten 20.000€.
Christian versicherte mir ursprünglich, daß ich am Ende des Jahres einen richtigen Job haben werde, wenn ich bei ihm bei der Organisationen des Rennteams mitmache. Dies nahm ich sowieso von vornherein nicht so ganz ernst. Als wir ein Minus von 900€ hatten, versicherte er mir, dass ich mein Geld sicher wieder zurückbekommen werde. Auch als wir ein Minus von 3800€ hatten, versicherte er mir wiederum, daß ich mein Geld zurückbekommen werde. Mittlerweile sind wir bei einem Minus von zirka 10.000€ angekommen. Christian meinte, daß wir nur weitermachen müssen, damit ich mein Geld wieder zurückbekomme. Ich denke eher, wenn wir so weitermachen, wird das Minus am Ende des Jahres vermutlich 20.000€ betragen. Vermutlich versichert er mir dann wieder, daß ich mein Geld wieder zurückbekomme. In drei Jahren haben wir dann vermutlich 60.000€ angehäuft, er sichert mir dann zu, daß demnächst eh das Geld aus dem Motorsport kommt.

Obwohl er bereits große Schwierigkeiten hat, seine Telefonrechnung und seine Miete in Wien zu zahlen, plant er ein neues Büro in Italien, ohne sich wirklich Gedanken darüber zu machen, wie man dann dort die Miete bezahlen soll. Weiters wollte er mir noch einreden, daß wir an bestimmte Fahrer des Teams Sponsorengelder auszahlen sollen, wenn diese einen vorderen Platz erreichen. Andere Teams verrechnen für einen Start bei der Rotax Italia in etwa 800-1000€ und mehr, bei uns im Team startete ein Fahrer für ursprünglich 200€, die sein Vater dann noch auf 180€ hinunterverhandelte. Und was macht Christian? Er will dem Fahrer dann noch Sponsorengelder vom Team zukommen lassen.

Bleibt nur mehr die Frage, woher dieses Geld herkommen soll, vor allem bei den bereits angehäuften Kosten. Auch beim Angebot an Albertos Familie fing er wieder damit an, daß das Team Alberto zum Nummer Eins Fahrer aufbauen will. Deshalb könne man nicht soviel von der Familie verlangen. Und, wer soll dann alles zahlen?

Bis Stand Juni 2007 hat er auch noch kein einziges Teil von PCR nach Österreich importiert bzw an irgend jemanden verkauft, nicht einmal ein Zahnrad oder eine Kette, geschweige denn ein komplettes Kart.

Aus jetziger Sicht wäre es für ein kleines Team sinnvoller, wenn die Fahrer mit ihrem eigenen Kart fahren würden und nicht mit dem Kart, das dem Team gehört. Auch die Generalvertretung für einen Karthersteller für Österreich zu haben wäre wohl auch sinnvoller, wenn das Team viele Fahrer hat, beziehungsweise mehrere Fahrer, die mit dem Material vom gleichen Hersteller fahren. Bei einem kleinen Team zahlt sich dies nicht so richtig aus.

Mittlerweile ist mir übrigens auch vollkommen klar, warum Christian pleite ist und kein Geld hat.

Bei Christians Fähigkeiten und Genie bei Karteinstellung und Setup und mit seiner Einschulung bezüglich der richtigen Fahrtechnik und Linienführung auf der Rennstrecke hätte aus seinem Team ein Siegesteam werden können.
Leider wird dies verhindert durch seinen teilweisen ungeschickten Umgang mit den Mitmenschen. Zwar ist er einerseits darauf bedacht mit möglichst vielen auf Du-und-Du zu sein, leider verärgert er mit penetranter Unfreundlichkeit gepaart mit laufenden Vorwürfen und mit seinen cholerischen Anfällen viele. Auch in kaufmännischer Hinsicht ist er nicht so talentiert.

Mitte August 2007

Als ich Mitte August abends mir meine Kreditkartenabrechnungen mittels Telebanking betrachtete, lief mir ein kurzer kalter Schauer über den Rücken. Es stand da zu lesen:

13.8.2007 CHARTERLINE AUTOVERMIETUNG 521,54

Ich wunderte mich natürlich sehr, da ich selbst ja gar keinen Kastenwagen gemietet hatte. Natürlich hatte ich die Vermutung, das Christian etwas damit zu tun haben könnte. Am nächsten Tag rief ich bei der Autovermietung an. Ein Filialleiter bestätigte mir, daß Christian wieder einen Kastenwagen gemietet hat und damit nach Italien gefahren ist. Von meiner Kreditkarte hätten Sie mir den Betrag dafür abgebucht, da sie dachten meine Kreditkarte sei die des Teams, zumindest hätte ihnen Christian dies mitgeteilt. Ich rief darauf hin bei der Hotline von der Kreditkartenfirma an und bat sie, die entsprechende Buchung zu stornieren, bis der Sachverhalt geklärt ist. Dies hört man ja des öfteren in den Werbespots der Kreditkartenfirma im Fernsehen, daß man gegen Abbuchungen von der Kreditkarte Einspruch erheben kann. An der Hotline teilte mir jedoch mit, daß der Sachverhalt gar nicht so eindeutig ist. Die Autovermietung könnte den Betrag im guten Glauben abgebucht haben, insofern ist es fürs erste nicht möglich, die Buchung zu stornieren. Darauf hin ging ich zur Polizei und wollte Anzeige wegen Kreditkartenbetruges erstatten. Nach meiner Schilderung des ganzen Sachverhaltes teilte der anwesende Beamte ähnliches mit wie die Hotline, nämlich daß die Abbuchung im guten Glauben erfolgt sein könnte und somit nicht rechtswidrig ist. Ich befürchtete bereits, daß ich nach all den angehäuften Verlusten noch weitere 521,54 für Christians letzte Italienreise zahlen müßte. Dabei hatte ich mit dieser Fahrt rein gar nichts zu tun und erfuhr erst von ihr, als ich spät abends meine Kreditkartenabrechnungen betrachtete. Vorher ging mir zwar auch schon der Gedanke durch den Kopf, daß Christian auf eigene Faust wieder nach Italien fahren könnte und bei der Autovermietung dann sagt, daß sie den Betrag von meiner Kreditkarte abbuchen sollen. Letztlich dachte ich aber, daß er dies doch nicht wagen wird und wenn er dies doch tun sollte, verklage ich ihn halt wegen Kreditkartenbetrug. Mit juristischen Feinheiten, nach der ein Betrag im guten Glauben von der Kreditkarte abgebucht werden kann hatte ich mich bislang nicht wirklich beschäftigt.

Ich ging mit der Kopie des Mietvertrages, den Christian mit der Autovermietung abgeschlossen hatte, und die mir der Filialleiter zugeschickt hatte, zu einer Rechtsberatung. Dort sagte man mir, das die Abbuchung von meiner Kreditkarte eine große Frechheit sei, da ich mit dem Mietvertrag von vornherein gar nichts zu tun habe. Der Vertrag ist abgeschlossen zwischen der Autovermietung und Christian, sie können nicht am Vertrag Unbeteiligten Geld von der Kreditkarte abbuchen. Letztlich können sich bei diesem Sachverhalt die Juristen streiten. Eine Rechtsmeinung wäre, daß die Autovermietung den Betrag im guten Glauben abgebucht hat, die zweite Rechtsmeinung wäre, das der Mietvertrag zwischen anderen Personen abgeschlossen ist und ich mit ihm von vornherein gar nichts zu tun habe.

Mehrere Telefonate mit dem Filialleiter und einem Kollegen von ihm von der Autovermietung brachten zunächst nichts, sie bestanden darauf, mir den Betrag im guten Glauben abgebucht zu haben. Letztlich drohte ich mit einer Klage bei Gericht, um die Geschichte vom Richter entscheiden zu lassen. Daraufhin wurde die Buchung dann doch storniert.

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