zurück zur Übersicht

Ottobiano - Mitte Oktober 2006

Für das Rennen in der Rotax Mini Max, die es 2006 noch gab, brauchten wir einen passenden Motor für Florian. So schrieb ich CRG eine entsprechende Email, ob wir uns einen ausborgen könnten. Kurz darauf bekamen wir die Antwort: ja, der Motor ist verfügbar. So fuhren wir bei Desenzano von der Autostrada hinunter zum Werk von CRG. Dort bekamen wir nach kurzer Wartezeit gleich den Motor mit. Man wollte nicht einmal einen Kaution oder etwas ähnliches haben. Im Prinzip hätten wir mit dem Motor auf Nimmerwiedersehen verschwinden können. Christian kontrollierte noch kurz, ob alle erforderlichen Teile vorhanden sind, dann wurde der Motor eingeladen und es ging weiter Richtung Milano zu unserem Ziel.

Für die Fahrt nach Ottobiano druckte ich die Route mit einer Routenplanungssoftware am Drucker meines PCs aus. Das letzte Stück von der Autostrada nach Ottobiano fuhren wir auf einem schmalen Feldweg, ich saß im T-Shirt im Auto, da Christian die Heizung voll aufgedreht hatte Zuletzt zündete er sich wieder eine Zigarette an, der Gestank im Fahrerhaus war nicht mehr erträglich. Zudem meckerte er noch herum, das die Straße ähnlich schmal wie ein Feldweg ist, was durchaus stimmte. Die Routenplanungssoftware wählte tatsächlich den kürzesten Weg, ohne die Breite der Fahrbahn zu berücksichtigen.

Die Pista South Milano in Ottobiano ist eine legendäre Rennstrecke, auf der bereits viele spektakuläre Kämpfe im Kart ausgetragen worden sind. Am Abend des ersten Tages lag die Ortschaft und die Rennstrecke gerade im Nebel. Christian wollte Florian zum Trainieren im Nebel und Flutlicht hinausschicken, aber Walter, sein Vater wollte dies nicht. So fuhren wir zur nächstgelegenen Pizzeria und nahmen uns einige Pizzen mit, die übrigens recht günstig waren.

Nach dem Essen erkannten wir, daß der von CRG ausgeliehene Motor mit samt Auspuff nicht auf Florians Chassis paßte. Der Auspuff war zu lang bzw das Chassis zu kurz. So saßen wir im Zelt und grübelten. Dann hatte Walter die rettende Idee. Er montierte die auf der Rückseite des Karts montierte Stange ab und flickte aus verschiedenen Einzelteilen eine neue Halterung zusammen, die diese ersetzte. Das ganze sah recht wagemutig aus, aber es funktionierte.

Bei den Italienern erzielten wir bereits durch unsere reine Anwesenheit ein gewisses Maß an Beachtung, da wir aus dem fernen Österreich bis hierher angereist waren.
Unter Christians Anleitung war Florian recht flott unterwegs, schon beim Training erreichte er gute Zeiten. Sowohl das Prefinale als auch das Finale konnte er in seiner Klasse überlegen gewinnen. Dabei lieferte er sich ein spannendes Duell mit Stefano, dem Sohn des Chefs von PCR, Luigi. Florian lag beim Start bereits in Führung, Stefano knapp hinter ihm. Viele Runden lang konnte Stefano nicht die Führung übernehmen bzw Florian überholen. Dann plötzlich zischte Stefano an Florian vorbei. Doch bereits kurze Zeit später überholte Florian wieder Stefano und konnte als erster über die Ziellinie fahren. Kein Krimi im Fernsehen hätte spannender sein können. Bei den anwesenden Italienern erreichte Florian große Aufmerksamkeit und Beliebtheit. Christian sprach auch viel mit Gherardo, einem Seniorfahrer, den er schon seit längerem kennt. Beim Rennen hatte Gherardo jede Menge technischer Probleme mit seinem Kart und fiel aus. Mit mehreren Bekannten in seinem dicken S-Klasse Mercedes angerauscht kam Gherardos Vater, Emilio, der ebenfalls viel mit Christian redete und häufig zu uns ins Zelt kam. Schließlich sagte Emilio Christian, daß er ihm für seinen Sohn Gherardo ein Angebot für die kommende Saison machen soll, eines mit einem vom Team zur Verfügung gestellten Kart und eines, bei dem Gherardo mit seinem eigenen fährt.
Auch Matteo, den wir vorher gar nicht kannten, schaute sehr häufig bei uns im Zelt vorbei und sprach viel mit uns. Wie er gerade auf uns gekommen war, wußten wir nicht, wir vermuteten über Gherardo, da er ein Freund von ihm ist. Wir sprachen auch viel mit seinem Vater, Felice. Da er so häufig zu uns ins Zelt kam und soviel mit uns sprach, hatten wir allen Grund zur Annahme, daß er sich ernsthaft für eine Mitgliedschaft im Team interessierte.

Florian hatte es auch geschafft, eine Fastfood Filiale als Sponsor zu gewinnen, auf seinem Kapperl und Kart war ein entsprechender Schriftzug, den ich auch gleich fotografieren mußte.

Für uns war Ottobiano ein voller Erfolg: Der Sieg von Florian und zwei Piloten, die im Team fahren wollten.

Christian schickte auch unaufgefordert einen Bericht mit Foto an die Redaktion der Salzburger Nachrichten, beides wurde auch tatsächlich gedruckt. Das der Bericht und mein Foto gedruckt wurden, sahen wir erst, als wir die entsprechende Ausgabe durchblätterten. Nicht etwa, daß uns die Redaktion eine kurze Antwort auf Christians Email gesendet hätte, die in etwa gelautet hätte: Vielen Dank für ihre Email, wir drucken den Bericht und das Foto in Ausgabe vom 31. Oktober 2006.

In Ottobiano teilte mir Christian auch mit, daß ihm einmal angeboten wurde als Mechaniker zu arbeiten. Aus heutiger Sicht denke ich, daß dies eine gute Idee gewesen wäre, wenn er diesen Job angenommen hätte. Er könnte dann zumindest seine Miete und Telefonrechnung zahlen.


Kosten:
Kastenwagen:
Treibstoff:
Einkaufen und Essen:
Motor von CRG:
-454€
-241€
-70€
-200€

Zwischensumme:
vorherige Gesamtsumme:
neue Gesamtsumme:

-965€
-1276€
-2241€


Christian erhielt auch per Email viele Glückwünsche zum Sieg in Milano. Aus Italien kamen 68, aus der Schweiz 31, aus Spanien 30, aus Deutschland 29 und aus Österreich 2. Anscheinend wurde unserem Sieg im Ausland mehr Beachtung geschenkt als in Österreich.

Als Mechaniker ist Christian ein Genie: kaum einer kann das Chassis so gut und nahezu perfekt einstellen wie er. Er weiß sofort, was zu tun ist, wie zum Beispiel die Düse auswechseln, wenn das Motorengeräusch nicht perfekt klingt. Auch kann er auf jede einzelne Strecke, so zum Beispiel in Jesolo auch abhängig davon, ob gerade Sand auf der Strecke liegt, oder nicht, das Chassis einstellen.
Nach Christians Meinung sind sämtliche Karts der meisten Hersteller verwendbar, man muß nur wissen, wie man sie jeweils optimal einstellt. Er weiß mit seiner langjährigen Erfahrung auch genau, wie man das jeweilige Setup für ein Kart eines bestimmten Herstellers durchführen muß.

Auch das Finden der richtigen Übersetzung ist für ihn kein Problem. Besonders bei Regen sind seine Piloten im Vorteil, da er dann alles wesentlich besser einstellt als die Konkurrenz.
Eine alte Weisheit unter Kartmechanikern besagt, daß sich die einmal zum Drehen gebrachte Hinterachse solange drehen soll, bis die Mechaniker vom Kaffee trinken wieder zurückgekommen sind. Daran erkennt man, daß alles richtig eingestellt ist.

Auch das Einstellen der Spur nach Augenmaß stellt für ihn keine Schwierigkeit dar. Die meisten anderen Mechaniker verwenden dafür ein eigenes Gerät mit Wasserwaage, Christian schafft dies mit Gefühl. So waren die Mechaniker von PCR mitsamt Chef Luigi nicht schlecht erstaunt über seine von Hand eingestellte Spur, und staunten nicht schlecht, als sie nachmaßen und es auch nicht besser hätten machen können.



Mit der Wasserwaage wird die Spur eingestellt


Er schafft es auch fast immer Motoren, die zuerst nicht anspringen wollen dann doch noch dazu zum Laufen zu bringen. Dafür hat er einige Tricks auf Lager, die außer ihm nur wenige kennen.

Auch wenn es darum geht, jugendlichen Fahrern die Strecke zu erklären und Ihnen das Fahren auf der richtigen Linie klarzumachen, ist er nur schwer zu übertreffen. Die meisten Fahrer sind nach einer kurzen Einschulung von ihm über die Strecke gleich wesentlich schneller. Bei vielen anderen Teams erhalten die Bambinipiloten kaum oder gar keine Hinweise darauf, auf welcher Linie sie über den Kurs fahren sollen, von selber kommen die Jugendlichen meist nicht darauf, und versuchen nur möglichst viel Gas zu geben. Das alleine ist natürlich zu wenig um zu gewinnen.

Er hat in seiner mehrjährigen Erfahrung als Mechaniker auch bereits ausgiebig Reifen verschiedener Hersteller getestet. Dabei wurde solange gefahren, bis diese komplett verschliessen waren, und nur mehr das Gewebe, das ursprünglich unterhalb des Gummi versteckt war, zu sehen war. Er besuchte auch einmal einen Kurs über die richtige Einstellung des Reifendrucks bei einem großen Reifenhersteller, dazu flog er extra nach Japan. Bei Rennen hat er immer ein Thermometer mit dabei, da die Außentemperatur für die Einstellung des Reifendrucks sehr wesentlich ist. Kaum jemand von einem anderen Team beschäftigt sich so intensiv mit dem Reifendruck wie Christian.

Er schafft es auch, Fahrer alleine aufgrund ihres Fahrstils zu erkennen, auch wenn sie einen anderen Overall und Helm aufhaben, so zum Beispiel Matteo.

Christian zeigt auch großes Können beim Handling mit dem Kastenwagen, er schafft es spielend, sich mit dem großen Auto schräg in eine Parklücke oder eine Einfahrt zu stellen, in die ich nicht mehr einparken könnte. Dabei manövriert er millimetergenau und orientiert sich mit den Rückspiegeln.


Die Rennstrecke im Nebel


Wer wohl?


Im Vordergrund Gherardo


Gherardo


Die Bambinis kämpfen um den Sieg


Noch eine Runde bis zum Sieg


Podenzano bei Piacenza

Christian hatte in Ottobiano gute Kontakte zu PCR Chef Luigi geknüpft, und wollte dies nützen, um offizieller PCR Generalvertreter für Österreich zu werden. Dabei wollte er Teammitgliedern und solchen, die es werden wollten, PCR Produkte verkaufen. Er wollte auch wegen dieses Vertrag extra nach Podenzano fahren, obwohl wir wenige Tage vorher ohnehin in Ottobiano waren und Podenzano fast auf den Rückweg nach Wien liegt. Christian meinte, daß kurz nach dem Rennen alle mit Aufräumarbeiten beschäftigt sind und so ein Besuch unmittelbar danach unpassend wäre.
Im Siegestaumel nach Ottobiano und gut aufgelegt, da sowohl Gherardo und Matteo Teammitglied werden wollten, fuhren wir extra nach Podenzano in das PCR Werk, um den den Vertrag mit Luigi als österreichischer Generalimporteur für PCR abzuschließen. Luigi zeigte uns kurz das Werk und erklärte uns einige Geräte und Maschinen. Unter anderem zeigte und Luigi auch mehrere Achsen mit unterschiedlichem Durchmesser, Fahrer brauchen ansich ohnehin nur die Achse mit mittlerem Durchmesser, die mit kleinerem und größerem Durchmesser sind vor allem für das Geschäft gut.


Kosten:
Auto:
Treibstoff + Maut:
-155€
-150€

Zwischensumme:
vorherige Gesamtsumme:
neue Gesamtsumme:

-305€
-2241€
-2546€


Test in Jesolo - Ende Oktober 2006

Auf der Pista Azzurra angekommen, trafen wir auf Rene, Teamchef eines österreichischen Teams. Sein Team ist eine Art Yuppi - Team, die Fahrer kommen nur kurze Zeit vor dem Rennen im Ferrari auf die Rennstrecke, setzten sich ins Kart und drehen ihre Runden und haben ihr Spektakel. Dabei legen Sie Wert auf ein Glas Sekt beim Empfang und auf ein großes Zelt im Fahrerlager. Was Sie dabei am wenigsten interessiert ist ihre Rundenzeit. Gut ist das Ganze vor allem für Renes Konto.

Vom Karthersteller kam Mechaniker Beppo mit zwei Chassis zum Testen. Florian und David kamen in den Genuß des Fahrens. Unter Christians Anleitung schaffte es David sogar einen neuen, allerdings nur inoffiziellen Rundenrekord aufzustellen. Offizielle Rundenrekorde müssen natürlich bei Rennen erzielt werden, um anerkannt zu werden. Mit dem ICAjunior Motor war unser Team sogar schneller als die Piloten der ICA Klasse.
Am Samstag waren dann schon sehr viele Piloten in Jesolo, am Sonntag war die Rennstrecke mit circa 150 Piloten aus Italien, Österreich, Finnland, Slowenien und Deutschland etwas überbelegt.

PCR Mechaniker Beppo wurde von uns gut mit Lasagne aus dem Mikrowellenherd durchgefüttert. Walter diskutierte lautstark mit Christian, Davids Vater meinte daraufhin, daß es im Team zuviel Streit gebe.
Bei der Anfahrt dachte ich, das Training ist zumindestens kostendeckend, da Davids Vater uns 500€ dafür zahlte. Aber Christian bestellte ja den Mechaniker von PCR und so gingen die 500€ an PCR.


Kosten:
Kastenwagen:
Treibstoff + Maut:
Einkaufen:
Davids Vater zahlte:
PCR bekam
-397€
-184€
-63€
500€
-500€

Zwischensumme:
vorherige Gesamtsumme:
neue Gesamtsumme:

-644€
-2546€
-3190€



David testet ein neues Kart


Jetzt ist Florian dran


Zurück in Wien

Seltsamerweise brach der Kontakt zu Matteo, der in Ottobiano fleißig unser Zelt besucht hatte, ab, Emails von uns wurden nicht mehr beantwortet, und das Telefon wurde nicht abgehoben. Wir grübelten herum und stellten verschiedene Mutmaßungen auf, warum der Kontakt abgebrochen wurde. Die Vermutungen spannten sich dabei von familiären hin bis zu schulischen Problemen. Letztlich hatten wir keine Ahnung, was los war.
Davids Vater besuchte uns zusammen seinem Sohn im Büro. Wir redeten darüber, bei welchen Rennen wir mit ihm nächstes Jahr starten könnten. Er zeigte uns eine Mappe mit Zeitungsberichten und Fotos von seiner Karriere als Rennfahrer. Er brachte auch einige Folder mit, die als Werbung für Sohn Davids Rennsportkarriere gedacht waren. Im Folder waren Fotos gedruckt, die ich in Bruck auf der A1 Speedworld aufgenommen hatte.

Oliver und sein Vater, die uns in Rechnitz ihre Visitenkarte in die Hand gedrückt hatten, hatten es sich mittlerweile auch wieder anders überlegt, und wollten doch nicht mit uns im Team fahren. Emails von uns wurden nur mehr ausweichend oder gar nicht beantwortet und auch ansonsten ließen sie nichts mehr von sich hören.

Christian wollte am liebsten wieder nach Italien fahren, diesmal in den Süden zur Pista Nika in Crucoli. Er wälzte dafür bereits fleißig Pläne, im Internet fanden sich prächtige Fotos von der Piste und dem naheliegenden Strand. Beim dortigen Rennen nahm unter anderem auch Nicola Nolè teil, der in Ampfing gewonnen hatte. Wir hätten auch gleich ein paar Tage Urlaub dort verbringen können. Im Prinzip hatte ich auch nichts dagegen dort hinzufahren, letztlich scheiterte der Ausflug an der Finanzierung.


zurück zur Übersicht     nach oben    weiterlesen auf Seite 5