zurück zur Übersicht


Ein Monat später, es lief gerade eine Umfrage für kleine Gewerbebetriebe in Wien, teilte Juliane, eine Assistentin des Callcenters, Christian mit, daß die Studie heute fertig werden muß. Christian fasste dies als Aufforderung auf, einige Interviews zu fälschen. So füllte er mehrere Fragebögen nach Gutdünken selbst aus, im Glauben, dem Institut damit zu helfen und auf die erforderliche Anzahl an Interviews zu erreichen. Als Waltraute am nächsten Tag die Zahl seiner Interviews mit der Zahl seiner Telefonverbindungen verglich, fiel ihr natürlich auf, daß er einige Interviews gefälscht hatte. Sie rief Christian an, und teilte ihm mit, daß er nicht mehr zur Arbeit kommen brauche, sondern nur mehr einmal, um Abzurechnen. Jetzt half ihm auch sein ausgezeichnetes Verhältnis zur Chefin nichts mehr, er wurde gefeuert.
Christian rief mich am Abend an, ob ich es ohnehin schon wisse. Ich sagte darauf, daß ich von rein gar nichts wisse. Dann teilte er mir mit, das er gefeuert worden war. Ich brachte am nächsten Tag die letzte Abrechnung zu ihm, er wollte nicht noch einmal zum Institut kommen.

Ich sprach Waltraute auf seinen Rausschmiss hin an, sie meinte, daß jeder andere bereits vor ihm hinausgeflogen wäre. Bei mehreren Interviews von der Dauer von nur 40 Sekunden sei klar, daß sie gefälscht worden waren, kein Interviewer kann das komplette Interview in nur 40 Sekunden durchziehen. Bei den meisten anderen Mitarbeitern funktioniere ihr Führungsstil sang- und klanglos, Christian sei der Einzige, bei dem es jedes Monat erneut zu Problemen und Zwischenfällen komme. Sie meinte, er hätte geglaubt, daß er nicht ersetzbar wäre, da er relativ lange bei dem Institut arbeite und auch länger arbeite und mehr Interviews durchführe als die meisten anderen. Weiters meinte sie auch, daß er geglaubt hätte, daß er etwas Gutes tue, indem er die Interviews gefälscht hatte. Von der Quote her wäre er ohnehin vorne gewesen. Die Quote errechnet sich aus Zahl der Interviews pro Anwesenheitszeit, beim Meinungsforschungsinstitut hat dies auch einen Einfluss auf die Bezahlung.

Ende Jänner 2007

Ende Jänner bzw Anfang Februar wurde das ganze Geschehen im Kartteam zum Horrortrip: Es stellte sich heraus, daß Christian sowohl Emilio als auch Franz gar kein Angebot gemacht hatte, obwohl diese ihn ausdrücklich darum gebeten hatten. Christian wartete stattdessen lieber auf die Preise für die neuen KF - Motore, um ein möglichst knapp kalkuliertes Angebot zu machen. Zitat Christian: im Internet habe ich gelesen, daß die Leute auf Preisunterschiede von einem Euro mehr oder weniger achten und davon den Kauf von Produkten abhängig machen. Exakte Preise standen zu diesem Zeitpunkt noch keine fest, auch Hersteller PCR konnte trotz mehrfacher Aufforderung dazu keine bekannt geben. PCR hatte offensichtlich genauso wie die anderen Hersteller große Lieferschwierigkeiten bzw einen Engpass bei der Herstellung. Christian konnte daher seiner Meinung nach kein möglichst günstigstes Angebot errechnen. Naja, selbst wenn die Preise für die Motoren noch nicht exakt feststanden, so hätte man sich doch etwas einfallen bzw überlegen können, so zB die Preise von vergleichbaren Motoren des Vorjahres hernehmen und diese etwas aufrunden und/oder die Preise schätzen. Leute, die auf ein Angebot warten dann gleich wochenlang warten zu lassen ist wohl auch keine gute Idee.
Hätte Christian Emilio und Franz innerhalb von einigen Tagen ein halbwegs vernünftiges Angebot gemacht, nach menschlichem Ermessen wären ihre Söhne beim Team mitgefahren.

Angenommen, die Leute sagen einem Mitarbeiter einer Firma: Ich interessiere mich für diese Produkte, ich will sie kaufen, machen Sie mir ein Angebot. Der Mitarbeiter läßt die Leute dann wochenlang warten bis Sie sich gefrotzelt vorkommen. Ich würde ihm dann sagen: Sie sind gefeuert – auf Wiedersehen.
Christian machte es so ähnlich: statt innerhalb von einigen Tagen ein Angebot abzugeben wartete er lieber auf die Preise von den KF Motoren.

Franz steckte seinen Sohn Marc Aurel nachdem er eine Woche lang vergebens auf Christians Angebot gewartet hatte, zu einem bekannten österreichischen Kartteam bei Knittelfeld. Emilio sahen wir auf der Margutti in Parma wieder. Dort wollte er mit Christian erst gar nicht reden und warf ihm nur einen bösen Blick zu. Emilio vermutete, daß Christian seinen Sohn Gherardo nicht gut genug für das Team hielt, da ihm Christian kein Angebot gemacht hatte, obwohl er ihn ausdrücklich darum gebeten hatte.

Dem noch nicht genug, verärgerte Christian Walter, Florians Vater mit einem cholerischen Anfall über das Telefon, sodaß dieser ab sofort nicht mehr mit dem Team fahren wollte.

Ende 2006 diskutierte ich mit Christian darüber, ob man Walter und Florian zB nach Ottobiano gratis mitfahren lassen sollte oder nicht. Christian meinte, er solle gratis mitfahren können, „da er ja nichts habe“ (Zitat Christian). Meiner Meinung nach hätte Walter für seinen Sohn Florian zumindest die Hälfte zahlen sollen oder halt zumindest eine Kostenbeteiligung, auch wenn er schlecht bei Kasse ist. Ich persönlich habe übrigens keine Ahnung über die Höhe von dem Einkommen von Walters Familie.

In den Verträgen zwischen Team und Fahrer steht typischerweise geschrieben, daß der Fahrer nur bei einem Team fahren darf und ansonsten bei keinem anderen Team. Einen schriftlichen Vertrag hat Christian mit Walters Familie nicht abgeschlossen, was die beiden mündlich ausgemacht haben, weiß ich nicht, da ich nicht dabei war.
Walter machte mit Sohn Florian im Jänner einen Trainingstag bei einem anderem Team. Nach den typischerweise bestehenden Teamverträgen hätte er dafür Christian als Teamchef seines Teams zumindest vorher um Erlaubnis fragen müssen, was er nicht tat. Auch hatte der Chef des anderen Teams ein Foto von Florian auf seine Homepage gestellt und Florian dabei als Fahrer seines Team vorgestellt. Angeblich hat Walter davon nichts mitbekommen. Christian bezeichnete den Teamchef des anderen Teams auch als Kasperl der österreichischen Kartszene.
Christian rief Walter an und teilte ihm diesen – aus seiner Sicht – Vertragsbruch mit, und dies gleich in Form eines seiner cholerischen Anfälle. Walter schrieb darauf hin nur mehr eine Email, das er in Zukunft nicht mehr mit uns mitfahren will und das ihn Christian auch gleich nie mehr wieder anzurufen braucht.

Sei es dahingestellt, ob Walter und Florian einen bestenfalls mündlichen Teamvertrag gebrochen haben oder nicht. Man hätte ihnen ja auch den ganzen Sachverhalt in sachlicher Weise erzählen können, und ihnen sagen, daß sie beim nächsten mal zumindest ihr Stammteam informieren sollen und das Foto von der Homepage entfernen sollen.

Ab diesem Zeitpunkt hätte ich das Ganze am Liebsten von vornherein sein lassen, der Spaß am Kartsport war mir vergangen.

Um meine beziehungsweise die angeschlagenen Finanzen des Team wieder etwas aufzubessern, schlug ich vor, wieder ein oder mehrere Trainingstage durchzuführen, um die finanzielle Situation etwas aufzubessern. Aber Christian war es dazu halt kurzerhand zu kalt. So gab es keine Trainings - und auch kein Geld.

Erst nach und nach, Mitte Februar konnten die Hersteller zumindestens geringe Stückzahlen der neuen KF Motore liefern, bekannte Hersteller ließen ihre Modelle homologieren. Bei der Vorstellung für die Medien fanden sich im französischen Le Castellet auf der Rennstrecke Paul Ricard allerdings nur fünf der Hersteller mit dem neuen Material ein. Beim folgenden Wintercup wurden die neuen Motoren erstmals bei einem Rennen eingesetzt.

Wintercup - Mitte Februar 2007

Mit einem flauen Gefühl im Magen, vor allem aufgrund der bislang angehäuften Fahrkosten in der Höhe von 3735€ machten wir uns auch den Weg zum Wintercup in Lonato, in der Hoffnung, doch noch einen oder mehrere Fahrer zu finden. Entsprechend der Jahreszeit war es etwas kühl, meine Stimmung auch nicht besonders gut. Wir sprachen kurz mit dem Chef von Bengio und kauften zwei Stück der Bumper für Bekannte in Österreich. Über den Weg liefen uns auch Familie Fontner, ich machte zwei Fotos von Patrick und seiner Mutter. Zuletzt gingen wir in das Zelt von PCR und redeten mit Luigi.
Christian meinte noch, ich solle viele Fotos von der Rennstrecke aufnehmen, er hätte per Internet einen holländischen Mechaniker kennengelernt, der aufgrund der Fotos für die Strecke spezifische Einstellungen vornehmen könnte. Später habe ich von diesem Holländer nichts mehr gehört, vielleicht wollte Christian mich nur aufheitern oder mit etwas beschäftigen, damit mir nicht zu langweilig wird.
Meine Stimmung war schlecht. Wir waren bereits fast den ganzen Tag im Fahrerlager unterwegs und bislang fand sich kein Fahrer, der zu uns in das Team kommen wollte. Alle Mühe umsonst und ziemlich viel Geld in den Sand gesetzt?
Wir beschlossen, wieder zurück zum Auto zu gehen und nach Wien zu fahren. In letzter Minute, gerade als wir bereits auf dem Rückweg zum Auto waren, lief uns Matteo über den Weg. Er war in Ottobiano häufig in unser Zelt gekommen, hatte viel mit uns geredet, der telefonische Kontakt war dann zum Jahresende auf mysteriöse Weise abgebrochen und wir hatten darüber bereits viel herumgerätselt. Er lächelte uns an. Waren wir beziehungsweise das Team im letzten Augenblick gerettet?
Wir tauschten erneut Telefonnummer und Emailadresse aus und fuhren nach Österreich zurück. Am Rückweg erwartete ich mir nicht besonders viel von dem kurzen Treffen mit ihm. Ich vermutete, daß er dann wieder nicht das Telefon abheben wird und Emails nicht beantworten wird, wie Ende des vorhergehenden Jahres.


Kosten:
Auto:
Treibstoff + Maut:
-63€
-167€

Zwischensumme:
vorherige Gesamtsumme:
neue Gesamtsumme:

-230€
-4040€
-4270€


Auf der Webseite des Teams stand damals in etwa zu lesen:

Wintercup Lonato 2007

Der Wintercup war der Auftakt zur neuen Rennsaison. Erstmals wurden die neuen Motore eingesetzt. Es wurde in den Klassen KF1, KF2 und KF3 gefahren. Bei einigen Teams kam mehr Hektik auf als bei anderen. Einige nahmen das ganze Geschehen entspannter als sonst. Die Piloten taten sich mit der Umstellung auf die neuen Motore schwerer als die Teams.

Die Teamleitung des Teams war natürlich vor Ort und konnte mit vielen Fahrern und Herstellern sprechen.
Unser Hersteller wird sich für das Open Masters in Italien sicher noch steigern und auch unser Team wird mit dem Piloten Matteo aus Italien starten. Mit ihm wird das Team sicher einen Spitzenplatz einfahren. Der Teamchef wurde auch von Piloten aus mehreren Ländern wegen der Rotax Italia angesprochen. Der Wintercup war ein tolles Erlebnis, die Umstellung auf die neuen Motore zweifelsohne aufregend.




Bad Fischau - Ende Februar 2007

Bei Bad Fischau wird gerade eine komplett neuen Rennstrecke für Karts und Motorräder gebaut. Christian wollte unbedingt hinfahren, um Fotos von der neuen Rennstrecke auf seine Homepage zu stellen. Dort angekommen, knipste ich viele Fotos, Christian ging die Strecke ab und sprach mit dem Eigentümer. Er spielte mit dem Gedanken, gleich neben der Kartstrecke einen Kartshop zu errichten, um PCR Produkte zu verkaufen. Auch damals war ich bereits skeptisch, ob dabei jemals etwas vernünftiges herauskommt. Auf dem Hinweg holte sich Christian die OSK Lizenz für das Jahr 2007 ab.


Kosten:
Auto:
Treibstoff:
Lizenz für OSK:
-48€
-7€
-200€

Zwischensumme:
vorherige Gesamtsumme:
neue Gesamtsumme:

-255€
-4270€
-4525€




Diesmal riß der Kontakt zu Matteo und seinem Vater Felice nicht ab. Christian telefonierte lange und ausgiebig mit der ganzen Familie des Fahrers, auch über Skype. Matteo rief ihn häufig an, auch aus Italien aus von seinem Handy. Anscheinend schienen ihm die hohen Telefonkosten nichts auszumachen. Wir machten uns aus, uns auf der Margutti, einem Rennen in Parma zu treffen, um den Vertrag für Matteos Mitgliedschaft im Team zu unterschreiben. Vor allem sein Vater Felice wollte unbedingt einen schriftlichen Vertrag haben.

Aus der Sicht von einem halben Jahr später wäre es vielleicht ohnehin besser gewesen, wenn Matteo nicht in der letzten Minute beim Wintercup in Lonato wieder aufgetaucht wäre. Das wäre dann ein Ende der ganzen Geschichte mit einem Verlust in der Höhe von 3955€ gewesen. So ging das Ganze wieder weiter.

Parma - Margutti - Anfang März 2007

In Parma angekommen, machten wir uns auf die Suche nach Matteo und seinem Vater, Christian befürchtete, daß sie es sich mittlerweile anders überlegt hätten und nicht in Parma auf der Rennstrecke erscheinen könnten. Dann wären wir umsonst hingefahren. Aber seine Befürchtungen waren unbegründet, die Gesuchten erschienen und der Vertrag für Matteos Start bei den Open Masters wurde unterschrieben. Es wurde nicht Christians Vertragstext verwendet, Felice hatte sich einen eigenen, kurzen und prägnanten Text ausgedacht. Christian hingegen den eher bescheuerten, viel zu niedrigen Betrag von 1000€ pro Rennen. Weiters wurde auch die Teilnahme bei der Rotax Italia geplant. Geredet wurde auch über einen möglichen Start Matteos bei der Rotax Eurochallenge und bei Rennen in Deutschland.
Nach Vertragsunterzeichnung lud uns Felice in das Restaurant auf der Rennstrecke ein, erzählte uns davon, daß er selber plant, bei einem Rennen der Ferrari Challenge zu starten. Ich aß Lasagne, soweit ich mich erinnere. Nach dem Essen verfolgten wir das Rennen, ich machte einige Aufnahmen des führenden Gary Catt.

Einige Wochen später stellte sich heraus, daß es Felice mit der Einhaltung des Vertrages mit seinem eigenen Text nicht so besonders genau nahm.

Kosten:
Auto:
Treibstoff:
-125€
-195€

Zwischensumme:
vorherige Gesamtsumme:
neue Gesamtsumme:

-320€
-4525€
-4845€


Im Fahrerlager


Gary Catt in Führung liegend


Gary Catt


Christian bekam von seinem Vermieter bereits einen eingeschriebenen Brief, in dem dieser ihm mitteilte, daß er die Miete zahlen soll. Christian rief seinen Vermieter an und teilte diesem mit, daß er gerade knapp bei Kasse ist, und die Miete deshalb erst später zahlen kann. Sein Vermieter stimmte dem zu.

zurück zur Übersicht     nach oben    weiterlesen auf Seite 7   


gefällt Ihnen diese Seite? empfehlen Sie sie bitte auf Social Networks oder per Email weiter: Twitter Facebook Email