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Sarno - Open Masters - Ende März 2007

Christian wäre am Liebsten einige Tage vor dem Rennen nach Podenzano gefahren, extra um das Kart abzuholen und in Wien in aller Ruhe die nötigen Einstellungen für das Rennen am Kart durchzuführen. Ich konnte ihn dann doch noch davon abbringen alle paar Tage mehrere hundert Kilometer von Österreich nach Italien hin- und zurückzufahren. Letztlich hätte dies sehr viel vergeudete Arbeitszeit und hohe Fahrkosten bedeutet.

Zuerst fuhren wir nach Podenzano zum Werk von PCR, um das Kart abzuholen beziehungsweise zu kaufen. Beim Blick auf den Schaltknauf in der Morgendämmerung in Italien fiel mir auf, daß der Wagen nach dem fünften auch noch einen sechsten Gang hatte. Dies war mir in der Dunkelheit auf der Südautobahn in Österreich gar nicht aufgefallen. So konnten wir dann treibstoffsparend mit der Sechsten weiterfahren.

In Podenzano angekommen, kauften wir neben dem Kart auch noch Felgen aus Aluminium und welche aus Magnesium für Regenrennen und mehrere Sätze Reifen. Vorher hatte ich mir nicht so richtig Gedanken darüber gemacht, wieviel so ein Kart überhaupt kostet. Auch war es ein Fehler von mir, den Vertrag nicht bereits in Wien nachzurechnen. Damals hatte ich trotz allem auch noch etwas Vertrauen in Christians Fähigkeiten und vertraute darauf, das er weiß, was er tut. Insofern war ich überrascht, als gleich ein Betrag von knapp 6000€ auf der Rechnung für das Kart stand. Mit soviel hatte ich nicht gerechnet. Das war ja bereits mehr als die 5000€, die mir Matteos Vater auf mein Konto überwiesen hatte. Beim Blick auf die Rechnung war mir sofort klar, daß hier irgendetwas nicht stimmte. Beim kurzen Aufenthalt in der Fabrik von PCR konnte ich allerdings nichts besonders viel Konkretes tun. Als Alternative zum Zahlen hätte ich nur kurzerhand alles liegen und stehen lassen und wieder zurück nach Wien fahren können. So zahlte ich eben in der Hitze des Gefechts.

Leider sah ich die Rechnung mit dem Kaufpreis des Karts erst in Italien und nicht schon in Wien. Dann wäre mir bereits zuhause aufgefallen, daß hier irgendetwas nicht stimmt.

Nach dem Kauf ging es ab nach Sarno.
Hier erfolgte Matteos erstes Rennen im Team. Den Weg bis nach Sarno in der Nähe von Napoli fanden wir ganz gut, innerhalb des kleines Städtchens beim Vesuv irrten wir etwas herum, bevor ich eine Art Litfaßsäule mit „Circuito Internazionale di Napoli“ und einer Grafik der Strecke sah. Beinahe wären wir daran vorbeigefahren. Als wir ankamen, war es bereits nach 22:00, zum Glück öffnete uns noch ein Wächter das Eingangstor, sodaß wir gleich unser Zelt aufstellen konnten. Am nächsten Morgen sah alles ziemlich trostlos aus, der Asphalt war vom Regen der vergangenen Nacht noch naß, der Vesuv war von Wolken halb verdeckt. Ein Wärter kam zu uns und verlangte, daß wir unser Zelt um einen Meter weiter zu der dort stehenden Hecke verschieben, angeblich weil der Platz gebraucht wurde. Da hatten wir gleich eine Dreiviertelstunde lang zusätzliche Arbeit, um das Zelt zu verrücken. Nach getaner Arbeit grübelten wir herum, ob uns die Wärter nur ärgern wollten oder nicht. Am Abend ging Christians Handy los, eine Dame rief uns an, ob wir abgeholt werden möchten. Ich sagte ja bitte, und Felice lud uns ins Restaurant Cavallino ein. Ich wurde auf italienisch gefragt, ob ich ein Risotto essen will, und sagte ja ja ja darauf. Ich bekam dann eine Mischung aus Muscheln und Garnelen und anderen komischen Meerestieren mit Reis. Ansich hatte ich mir etwas anderes erwartet, beziehungsweise lieber etwas anderes gegessen.

Bei der Fahrt vom Hotel auf die Rennstrecke fuhren wir auf der Autobahn beim Vesuv vorbei. Felice erzählte uns, daß die Gemeinden am Rande des Vesuvs den Anrainern Geld zahlen, damit diese bleiben. Neue Ansiedler, die an den Fuß des Vulkans ziehen, bekommen dafür Prämien ausbezahlt. Ich persönlich hätte trotzdem keine Lust dorthin zu ziehen, man weiß ja nicht wirklich, wann der Berg das nächste Mal ausbricht.

Beim Rennen fuhr Matteo das erste Mal mit unserem Kart, das Chassis war für ihn komplett ungewohnt, auch die Rennstrecke bei Napoli kannte er bislang nicht wirklich, obwohl Christian mit ihm die Strecke abgegangen war und sie ihm erklärt hatte. Hinzu kam auch ein schlechtes, regnerisches Wetter. Unverschuldet wurde er in zwei Crashes verwickelt. Wir setzten auf den Hoffnungslauf, der für alle in dieser Klasse zum Chaos wurde. Ein Rennabbruch und ein späterer Neustart wegen des schlechten Wetters ergab für uns dann das Ende der Veranstaltung. Naja, außerdem ist beim italienischen Open Masters die Konkurrenz natürlich hart, da man gleich gegen die europaweit besten Fahrer antritt. Leider war auch Matteos Ex-Mechaniker anwesend, der die gesamte Zeit wild herumredete und laufend nörgelte und alles kritisierte und schlecht machte. Das hat die Stimmung im Zelt auch nicht gerade verbessert. Christian überlegte es sich bereits, ihm beim nächsten Mal das Betreten des Zeltes zu verbieten.

Matteo und Christian verstanden sich ausgezeichnet, Matteo gab Christian erste Lektionen in Italienisch und umgekehrt Christian welche in Deutsch. Mit Felice konnten ich nur wenig reden, da er weder Englisch noch Deutsch kann und ich nicht Italienisch. Abends gingen wir wieder in das Cavallino essen. Diesmal deutete ich mit der Hand direkt auf einen beim Buffet liegenden Fisch, um jetzt das Gewünschte zu bekommen. Um Christians Zigarettensucht zu befriedigen, gingen wir abends noch zur nächstgelegen Trafik, die auch noch spät in der Nacht geöffnet hatte. Dort zeigte uns Felice einige Wohnblocks, in die ältere Menschen abgeschoben werden.

Vor unserer Abreise fragte Felice Christian am Telefon, ob er uns ein Hotel reservieren soll. Christian sagte ja ja darauf, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wer die Hotelrechnung bezahlen soll, oder er dachte, daß sie Felice bezahlt. Felice wollte das Hotel aber nur reservieren, nicht bezahlen. So blieben die Kosten wieder an mir hängen.

In Sarno rechnete ich kurz den Vertrag durch, den Christian mit Matteos Familie abgeschlossen hatte. Nämlich 1000€ pro Rennen und das Kart wird vom Team zur Verfügung gestellt.

Im Kartsport ist es üblich, daß die Verträge in zwei Varianten abgeschlossen werden: Entweder der Fahrer fährt mit seinem eigenen Kart, das er selbst kaufen muß oder das Kart wird vom Team zur Verfügung gestellt. Typischerweise fallen folgende Kosten an: Kosten für den gemieteten Kastenwagen, da wir keinen eigenen hatten ca 400€ pro Wochenende. An Benzinkosten und Maut fallen für Fahrten nach Süditalien zB Ugento oder Sarno ca. 500€ an, nach Norditalien, zB Jesolo oder Lonato ca. 300€ pro Fahrt. Der Kaufpreis für ein komplettes, neues Kart mit drei Paar Felgen kommt auf, je nach Ausstattung, sagen wir mal 6000€, dies noch ohne Alfano (dieses Gerät zeigt die Drehzahl und die Rundenzeit) an. Dazu kommt noch, das so ein Kart zur wandelnden Sparbüchse wird, wenn man damit Rennen fährt. Laufend wird etwas kaputt, laufend muß etwas repariert oder ausgetauscht werden. Man hat klarerweise hohe Kosten für den laufenden Betrieb und die Instandhaltung.

Nach einigen Minuten herumrechnen wäre ein vernünftiger Preis für die Teilnahme eher 1000 – 1500€ pro Rennen, wobei der Fahrer mit seinem eigenen Kart fährt oder 3000 – 4000€ wobei das Kart von Team zur Verfügung gestellt wird. Und was tut Christian? Er verlangt 1000€ pro Rennen mit vom Team zur Verfügung gestelltem Kart. Da komme ich nach wenigen Minuten herumrechnen darauf, das sich dies von den Kosten her vorne und hinten nicht ausgeht.

Wenn Leute wie Emilio und Franz Christian sagen: mein Sohn will bei euch im Team mitfahren, mach mir ein Angebot so läßt er sie wochenlang warten, bis sie sich gefrotzelt vorkommen und wartet auf Preise von KF Motoren, wenn er dann doch einmal einen Vertrag mit Matteos Familie abschließt, verlangt er 1000€ pro Rennen und das Kart kommt vom Team, wobei man nach wenigen Minuten herumrechnen zum Schluß kommt, das sich dies von den Kosten her ganz und gar nicht ausgeht.
Mittlerweile fragte ich mich, wie es Christian überhaupt geschafft hat, sein Team die vergangenen fünf bis sechs Jahre durchzubringen.

Weiters besteht Christian bei den Fahrten immer darauf, ein blaues Schild mit gelber Aufschrift des Rennteams, den aktuellen Fahrern, der Emailadresse und der Telefonnummer auf die Außenwand des Wagens mit Klebeband zu kleben. Seiner Meinung nach eine gute Werbung, auf die er keinesfalls verzichten will.

Ich persönlich würde von vornherein nicht auf die Idee kommen, auf ein gemietetes Auto Werbeflächen mit Klebeband zu befestigen. Außerdem ist meiner Meinung nach der Werbeeffekt ohnehin nicht besonders groß, vor allem wenn man mit Tempo 130 auf der Autobahn durch die Nacht fährt. Aber auch längere Diskussionen mit Christian haben nichts gebracht, er klebt es auf. Bei vorhergehenden Fahrten waren zwar auch leichte Reste des Klebebandes sichtbar, aber bei der Autovermietung ist dies entweder niemandem aufgefallen oder es hat niemanden gestört. Als wir das Auto diesmal an die Autovermietung zurückgaben, waren noch einige Reste des Klebebandes sichtbar, auch aufgrund des hellen Sonnenlichts bei schönem Wetter in Wien.

Während der Fahrt hatte die von uns transportierte Werkbank eine tiefe Schramme in der Wand zwischen Laderaum und Fahrerkabine hinterlassen, und der Lack bröckelte an dieser Stelle ab.

Die Dame von der Autovermietung war sowohl über die Schramme im Innenraum als auch über die Reste der Klebebänder ziemlich verärgert und verrechnete uns beziehungsweise letztlich mir gleich zwei mal 460 € Selbstbehalt für die Versicherung, einmal für die Schramme und einmal für die Reste der Klebebänder.



Kosten:
von Felice überwiesen:
Kaufpreis Kart:
Selbstbehalt für die Versicherung wegen der Schramme:
Reinigungsgebühr für Klebebänder:
Hotel Ferrari, das wir gar nicht wollten:
Kastenwagen:
Treibstoff + Maut:
+5000€
-6000€
-460€
-460€
-400€
-682€
-480€

Zwischensumme:
vorherige Gesamtsumme:
neue Gesamtsumme:

-3482€
-4845€
-8327€


Aus finanzieller Hinsicht war Sarno jedenfalls ein Debakel. Das Team war jetzt zwar im Besitz eines Karts, meine Ausgaben erhöhten sich gleich in einem Aufwasch von 4530€ auf 8012€.


Der Vesuv in der Nähe der Piste


Die Sicht von der Tribüne aus


Matteo in Aktion


Alberto


Matteo bei Regen in Aktion


Die nasse Fahrbahn macht es auch nicht leichter


Matteo gleich zweimal von oben



Geplantes, aber abgesagtes Training in Jesolo:

Auch um die bereits angeschlagenen Finanzen aufzubessern, versuchten wir Felice ein Trainingswochenende mit Matteo in Jesolo vorzuschlagen und einzureden. Den Preis dafür setzte ich eher zu hoch an, nämlich mit 900€. In Ermangelung meiner nicht vorhandenen Italienischkenntnisse sagte mir Felice, daß ich den Betrag auf ein Schmierpapier aufschreiben sollte. Felice stimmte vorerst zu und ich dachte schon, ich hätte den hohen Betrag bereits durchgedrückt. Und wir stellten und auf ein Trainingswochenende zu Ostern ein. Die Abfahrt war für 18:00 geplant, sodass wir nach Mitternacht auf der Pista Azzura ankommen, dann hätten wir gleich das Zelt aufgestellt, und uns schlafen gelegt, am nächsten Morgen hätte das Training dann gleich los gehen können. Knapp zwei Stunden vor der geplanten Abfahrt, also ca um 16:00 ging mein Handy los, Felice hatte das Ganze kurzerhand abgesagt. Und dies schon etwas sehr kurzfristig. Felice meinte zu Christian am Telefon: keine Schule, kein Kart. Später stellte sich heraus, daß Matteo ohnehin gar keine Probleme mit der Schule hatte, sondern ihm waren die 900€ doch etwas zu teuer. Auch erfuhr ich im Nachhinein, daß Christian wieder einen Mechaniker mit Material von PCR bestellt hatte. Dieser musste wieder umkehren, als er bereits in Richtung Jesolo fuhr. Selbst wenn das Training stattgefunden hätte und Felice die 900€ bezahlt hätte, wäre das Ganze wieder ein weiterer finanzieller Verlust geworden, da der Einsatz von PCR 700€ gekostet hätte und die Fahrkosten alleine bereits höher sind als die verbleibenden 200€.

Der Alfano zeigt dem Kartfahrer wichtige Daten wie Motordrehzahl, Rundenzeit und Motortemperatur an. Der Pilot muß beim Fahren auf die Motortemperatur achten und bei zu hoher Temperatur aufhören. Einmal wurde die Firma Alfano von einem Gericht dazu verurteilt, den Fahrern kaputt gegangene Motoren zu ersetzten, da der Alfano defekt war und eine zu niedrige Temperatur angezeigt hatte. Die Piloten fuhren aufgrund der angezeigten zu niedrigen Motortemperatur weiter und erlitten einen Kolbenreiber.
Christian wollte, daß ich einen für das Kart des Teams bei eBay ersteigere, da wir dringend einen benötigen. Leider fehlte dem Team dazu aber das Geld, und so kauften wir keinen.

Unterwegs in Österreich

trifft man auf viele Baustellen der staatlichen österreichischen Straßenverwaltung. Diese sind ein gutes Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Auf der Südautobahn sind kilometerlange Strecken als Baustelle abgesperrt. Dabei ist weit und breit kein Arbeiter zu sehen, der auf diesen abgesperrten Abschnitten arbeitet. Auch die Baumaschinen stehen still und stumm herum, weit und breit ist niemand anwesend, der sie bedienen würde. Auch bleibt es mir ein Rätsel, warum immer gleich solange Abschnitte abgesperrt werden. Das Sanieren der Autobahn müßte doch auch auf wesentlich kürzeren Abschnitten möglich sein, auf denen dann wenigstens gearbeitet wird. Auch die große Zahl an Baustellen auf der Autobahn gibt mir Rätsel auf. Sinnvoller wäre es zuerst eine Baustelle fertig zustellen und dann erst mit einer neuen anzufangen. Der Vogel abgeschossen wird meiner Meinung nach auf einem Autobahnabschnitt auf dem Weg von der Steiermark nach Kärnten. Hier wurde ein Autobahnabschnitt mit seltsamen Betonwänden links und rechts neben der Fahrbahn eingesäumt, zwischen diesen müssen die armen Autofahrer hin durchfahren und das gleich kilometerlang. Beim ersten Mal Durchfahren hatte ich ziemliche Angst davor, diese Betonwände zu streifen und die Seite des Wagens zu zerkratzen. Auf so eine seltsame Ideen kann wohl auch nur die österreichische Straßenverwaltung kommen. Im Vergleich dazu stießen wir auf unseren langen Fahrten durch ganz Italien kaum auf Baustellen, und diese waren viel kürzer als die österreichischen. Abgesehen davon konnten man sie auch meistens problemlos durchfahren. Man mußte weder auf die Gegenfahrbahn wechseln, noch kilometerlang zwischen Betonwänden fahren. Meist reichte es bereits aus, die Geschwindigkeit zu verringern.

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